Home » Blog

Zwischen Schafen und Weißwürsten

13. Mai 2009, 19:35

Der zweite Tag in Gomadingen neigt sich allmählich seinem Ende zu. Die jungen Teilnehmer sitzen auf den frischen Wiesen der schwäbischen Alb von denen aus man einen herrlichen Blick auf das Tal rund um Gomadingen hat. Gestern Abend war der große Hang auf der Gelände des Feriendorfes Schauplatz eines für den Großstädter tatsächlich seltenen Anblickes. Eine riesige Herde Schafe wurde von der Alm zurück in das Tal getrieben – Schafe sind, das steht zumindest fest – keine diskreten Wanderer.

Die Teilnehmer aßen indes Köstlichkeiten aus den vier Winkeln der Bundesrepublik. Lübecker Marzipan, Kieler Sprotten, Dresdner Eierkuchen, bayrische Weißwürste mit süßem Senf, oder gar Flammkuchen, wobei hier hinterfragt werden müsste, welche Region sich die Herkunft dieser Delikatesse zu Eigen nennen darf. Der Nährwert ist unbezahlbar.

Heute Abend, während die Schafe wohl und sicher auf heimischen Weiden oder Ställen ihre Ruhe gefunden haben, sitzen die Delegierten also auf den schönen Albwiesen, die das saftigste Grün besitzen, dass ich jemals auf deutschen Weiden gesehen habe. Im Gegensatz zu den Schülern haben es die Schafe heute Abend gut. Das Grün der Alb lässt sich nämlich sehr einfach erklären. Es regnet, als hätten die Götter die schwersten Lasten zu beklagen, von denen sie zu trennen sie sich nur über der Alb trauen. Selbst für mein norddeutsches Herz ist das ein wenig zu viel des Regens. Dafür duftet die Luft nach jedem Niederschlag umso frischer und nach Natur mehr! Der Erholungswert ist unbezahlbar.

In dieser Idylle arbeiten nun 100 junge und begeisterte Schüler aus dem ganzen Land, angeleitet von Chairs aus der Ukraine, Estland, Finnland, Griechenland, Italien, Rumänien und Tschechien, jeweils als Paar mit einem deutschen Chair. Diese Konstellation bereitet ein ganz besonderes internationales Flair, in dem sich die Delegierten teilweise überrascht dabei ertappen, wie sie ganz selbstverständlich mit ihren Mitschülern Englisch gesprochen haben. Der pädagogische Wert ist unbezahlbar.

Morgen werden wir alle nach Stuttgart fahren – die Themen für die Podiumsdiskussion werden bis in das letzte Detail erörtert, bevor ein erster größerer Schritt zur Politik hin genommen werden wird. Die Podiumsdiskussion verspricht spannende thematische Auseinandersetzungen mit Experten des Faches. Wir erweitern dabei unseren Horizont und erfahren viel über Armut, Bildunsmisere und Integrationspolitik. Der pädagogische Wert ist unbezahlbar.

Ich ziehe vor dem nächsten Tag ein erstes Fazit. Europa ist in Gomadingen angekommen, vielleicht nur für die Teilnehmer, aber es ist hier, mitten auf der schwäbischen Alb zwischen Schafen, himmlischen Regenergüssen und Gewittern und dem politischen Ambiete 17jähriger. Der Mehrwert ist unbezahlbar.

Kommentare

Erlaubte HTML-Tags:
<a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>